13.11.2016 – 26.02.2017
verlängert bis So., 30. April 2017

Ausstellung 'Stoffgeschichten'Stoffgeschichten

Christa Meier-Drave
Erinnerungsstücke von Frauen und Mädchen

Jedes Stück Stoff bietet Stoff für eine Geschichte. 40 Erinnerungen von Mädchen und Frauen von 9 bis 75 Jahren, die mit einem alten Kleidungsstück oder Stoffrest verknüpft sind, hat die Detmolderin Christa Meier-Drave gesammelt und in Collagen verwoben. Das Museum Wäschefabrik präsentiert diese Erinnerungsstücke zusammen mit gestalteten Objekten der Künstlerin: Ehemals Alltagsgegenstände, verweisen sie nicht nur auf Spuren der Erinnerung, sondern werden selbst zu neuen Erzählstücken.

 

 

Einladung und Rahmenprogramm

NW, 15.11.2016

 

Bilder von der Ausstellungseröffnung. Fotos: Jörg Schaaber.

10.05.2015 – 20.09.2015
verlängert bis Ende 2015

Ausstellung 'Peter Wellmer'Peter Wellmer
Fotograf | Künstler | Aktivist | Grenzgänger

Peter Wellmers Werdegang und seine Arbeiten stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung in genau jenem Gebäude, das er fotografisch entdeckte. Obwohl er jung – mit nur 24 Jahren – am 19. September 1987 durch Suizid gestorben ist, hat er doch ein beeindruckendes Werk hinterlassen, das sein großes fotografisches Talent belegt. Seine Entwicklung vom Fotografen zum Künstler und politischen Aktivisten, zu einem Grenzgänger zwischen Abbilden und Eingreifen, ist Thema der Ausstellung.

 

Peter Wellmer – Entdecker der Wäschefabrik

Im Dezember 1986 stieß Peter Wellmer bei seinen Erkundungen aufgelassener Industriegebäude auf diese Wäschefabrik im Hinterhof, in der zwar nicht mehr produziert wurde, aber dennoch alles so aussah, als seien die Näherinnen nur gerade eben in die Mittagspause gegangen. Im Gespräch mit dem Inhaber Theodor Winkel und vor allem bei einem ersten Streifzug durch das noch vollständig eingerichtete Gebäude sah Wellmer intuitiv den historischen Wert der Anlage. So schickte er um die Jahreswende 1986/1987 eine Reihe von Aufnahmen aus dem Außen- und Innenbereich mit einem Begleitbrief an den damaligen Vorsitzenden des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg e.V., Dr. Reinhard Vogelsang. In seinem Brief regte er eine Dokumentation des Bestands und die Rettung des Inventars für das damals in Planung befindliche Historische Museum an.

Währenddessen suchte Rüdiger Uffmann, damals Mitarbeiter des Stadtarchivs, für das neu einzurichtende Historische Museum landauf landab vergeblich nach Kraftarbeitstischen – Leitobjekt für die Frauenarbeitsplätze in der Wäscheindustrie. Schließlich erinnerte er sich an Wellmers Brief. Bei einer ersten Besichtigung des Nähsaals war Uffmann nach wenigen Blicken klar: Diesen historischen Schatz gilt es unbedingt in Gänze zu erhalten!

Die Rettung der Wäschefabrik und ihre Eröffnung als Museum hat Peter Wellmer leider nicht mehr erlebt. Fast 30 Jahre nach der Entdeckung der Wäschefabrik möchte der Förderverein Projekt Wäschefabrik e.V. mit dieser Ausstellung an Peter Wellmer, den „Entdecker” der Wäschefabrik, erinnern.

 

Wäschefabrik Winkel (heute Museum Wäschefabrik); Fotograf: Peter Wellmer, Dezember 1986

Wäschefabrik Winkel (heute Museum Wäschefabrik);
Fotograf: Peter Wellmer, Dezember 1986

In Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Gestaltung.

Logo FH Bielefeld

Einladung Ausstellungseröffnung

Fotos von der Ausstellungseröffnung

   

Fotos: Jörg Schaaber

 

Neue Westfälische, Nr. 109, 12.05.2015

Westfalen-Blatt, Nr. 105, 07.05.2015

16.03.2014 – 25.01.2015

Ausstellung 'Weisse Wäsche'Weiße Wäsche – Mythos und Alltag

Eine Ausstellung des Museum Wäschefabrik
in Kooperation mit der TU Darmstadt

Wieso muss weiße Wäsche nicht nur sauber, sondern rein sein? Und was macht den sprichwörtlich schwarzen Fleck auf der weißen Weste so unerträglich? Signalisiert strahlend weiße Wäsche zivilisatorischen Fortschritt und damit europäische Normen und Werte? Bilder aus Kunst und Werbung vermitteln die Bedeutung weißer Wäsche und wirken in den Alltag hinein. Arbeiten von Gegenwartskünstler_innen thematisieren andere Sichtweisen auf die Symbolik von weißer Wäsche.

 

Ein an der TU Darmstadt und am Centrum für Postcolonial und Gender Studies der Universität Trier angesiedeltes Forschungsprojekt widmete sich drei Jahre lang diesen Fragestellungen. Da weiße Wäsche einen hohen Wirtschaftsfaktor für die Bielefelder Industrie darstellt, entstand die Ausstellung in Kooperation mit dem Museum Wäschefabrik. Produkte der Textilfirmen, Bleichbetriebe und Stärkefabriken aus Bielefeld (Holste, Seidensticker, Strunkmann & Meister, Windel) und Umgebung (Hoffmann, Bad Salzuflen; Weddigen, Herford) kommen in den Blick.

 

Holste Plakat

 

Die Ausstellung nähert sich dem Thema unter drei Gesichtspunkten: Mythos, Alltag und Textilveredelung. Sie nimmt Bezug auf das Aufkommen der „Weißen Wäsche” im Zuge der Verbürgerlichung in der Zeit um 1900 und auf die Überhöhung der Bedeutung weißer Wäsche im Zuge von Kolonialismus und Faschismus und hinterfragt diese mit aktuellen Forschungsansätzen. Thematisiert werden auch Geschlechterrollen in Haushalt und Werbung.

 

Ausstellungskonzeption:

DFG-Forschungsprojekt

Dr. Birgit Haehnel

Hanna Büdenbender

Christina Leuchten

 

Museum Wäschefabrik

Dr. Dagmar Buchwald

Dr. Barbara Frey

Rüdiger Uffmann

 

Gestaltung:

Frank Wellenbrink

Bilder von der Ausstellungseröffnung

 

Fotos: Jörg Schaaber

 

Neue Westfälische, Nr. 64, 17.03.2014

Westfalen-Blatt, Nr. 64, 17.03.2014

14.04.2013 – 01.09.2013

Ausstellung 'Frau und Maschine'Frau und Maschine

Die zweiteilige Ausstellung „Frau und Maschine” ist eine Hommage an die Frauen in der Bielefelder Textil- und Bekleidungsindustrie.

 

I. Frauen in der Bielefelder Textil- und Bekleidungsindustrie
Fotografien von Jörg Boström

Die Fotografien von Jörg Boström dokumentieren Frauen in der Bielefelder Textil- und Bekleidungsindustrie bei der Arbeit und bringen das Zusammenspiel mit der Maschine und den Stolz auf die eigene Produktivität zum Ausdruck. Jörg Boström war von 1972 – 2000 Professor für Fotografie am Fachbereich Design der Fachhochschule Bielefeld.

 

II. Lebensskizzen aus der Wäschefabrik – Näherinnen erzählen

Studierende der Universität Bielefeld haben sechs ehemalige Mitarbeiterinnen der Wäschefabrik Winkel interviewt und die Interviews filmisch dokumentiert. Die Frauen erzählen über ihre Ausbildung und die damaligen Arbeitsverhältnisse. Fotos der Näherinnen von damals und heute sowie Arbeitsstücke der Zeitzeuginnen ergänzen die Lebensskizzen.

21.10.2012 – 17.02.2013

Ausstellung 'Figurenzauber'Schnitzen, Schneidern, Figuren-Zauber

Theaterfiguren der Bielefelder Puppenspielerfamilie Selje

Seit über sechzig Jahren bezaubert die Puppenspielerfamilie Selje mit ihren Figuren das Bielefelder Publikum. Dagmar Selje präsentiert aus ihrem bedeutenden Fundus die schönsten Theaterfiguren aus Holz. So gibt es beispielsweise ein Wiedersehen mit der kleinen Hexe, Rumpelstilzchen oder Hänsel und Gretel. Zu den Puppen, die früher Bielefelder Kinder in den Bann gezogen haben, gesellen sich kunstvolle chinesische, türkische, indonesische, belgische und englische Puppen aus der Sammlung. Die Ausstellung gibt Einblicke in das Handwerk des Puppenbaus. Fotos und Filmsequenzen zeigen, wie Helmut und Dagmar Selje ihre Lieblinge mit viel Herzblut zum Leben erwecken. An einer Mitmachstation dürfen die Besucher verschiedene Figuren selbst ausprobieren.

Diese Ausstellung ist ein Beitrag zum gemeinsamen Aktionsjahr Astrein! Holz der Museumsinitiative in OWL e.V. mit dem Schwerpunktthema Holz, an dem sich 40 Museen in Ostwestfalen-Lippe beteiligen.

01.04.2012 – 09.09.2012

Ausstellungsplakat 'Produktionsstrecke'Produktionsstrecke

Rauminstallationen von Cecilia Herrero-Laffin und Siggi Laffin

Zwei Rauminstallationen greifen historische und aktuelle Gedanken zum Thema Fabrikarbeiterinnen auf:

Cecilia Herrero-Laffin verbindet Tonskulpturen von Näherinnen und Videos zu einer Arbeit, die sich mit der Produktion von textiler Kleidung und deren Kurzlebigkeit auseinandersetzt. Dadurch entsteht ein kritischer Blick auf unseren Umgang mit Kleidung, auf unsere Wertschätzung der Arbeit, die in ihrer Produktion steckt.

Inspiriert durch den Nähsaal des Museum Wäschefabrik entwickelt Siggi Laffin eine fließbandartige Installation aus Tonskulpturen, Glas und alten Nähmaschinen, bei der die produzierenden Menschen selbst zu einem Teil der Produktion werden. Nichts ahnend und fast ohnmächtig durchlaufen sie eine vorgegebene Lebensstrecke.

 

 

'Produktionsstrecke'  'Produktionsstrecke'  'Produktionsstrecke'

 

 

 

 

 

Aufgenommen von Tarik Ungewitter während der Ausstellungseröffnung am 1. April 2012. Unterstützt durch Henning Poltrock, Ronald Herzog und Adrian Kruzewski. Wunderbar komponiert im Schnitt von Tom Meyer.

03.07.2011 – 18.03.2012

Ausstellung 'Quilt trifft Wäsche'Quilt trifft Wäsche

Die Mühlenquilter aus Bad Oeynhausen zeigen ihre Patchworkarbeiten – inspiriert durch das Museum Wäschefabrik

Im Frühjahr 2010 fand im Museum Wäschefabrik ein folgenschweres Treffen statt. Die Mühlenquilter, eine Patchworkgruppe aus Bad Oeynhausen, verliebten sich bei einer Führung durch die Wäschefabrik spontan in die Welt der Wäsche. Schnell war der Entschluss gefasst, sich fortan nur noch dem Thema Wäsche zu widmen. Der neuen Inspiration folgend sammelten die 16 Teilnehmerinnen der Gruppe begeistert alte Wäschestoffe, Rüschen, Spitzen, Stickereien, Hemden, Knöpfe und Etiketten. Diese Materialien arbeiteten die Frauen kunstvoll in ihre Quilts und Patchworkarbeiten ein.

 

Quilts sind dreilagige Decken, wobei die oben liegende Schauseite aus Stoffstücken mit der Hand oder mit der Nähmaschine zusammengenäht ist. Die Technik des Quiltens ermöglicht eine unendliche Vielfalt, Textilien miteinander zu verbinden und neue Themen zu reflektieren. Die Mühlenquilter gründeten sich 2001 und hatten ihre Werke bereits in zahlreichen Ausstellungen (z.B. „Märchenquilts” in Bad Oeynhausen, 2007) gezeigt. Aber Materialien und Elemente der Wäscheherstellung in Quilts zu verarbeiten, erwies sich als originelle und einzigartige Idee.

 

Als gemeinsames Merkmal weisen alle Decken in der Ausstellung mittig das Muster eines Sterns auf. Die Gestaltung der einzelnen Künstlerinnen ist jedoch individuell verschieden – von traditionell bis modern. Quilt trifft Wäsche – eine Lovestory mit vielen reizvollen Quilts und einem Happy End, das sich sehen lassen kann!

 

Rahmenprogramm zur Ausstellung

 

'Quilt trifft Wäsche'

13.02.2011 – 01.05.2011

Ausstellung 'Etikettenkult' - Einladung zur AusstellungseröffnungEtikettenkult

Vom gewebten Markenzeichen zum Label

Die im LWL-Textilmuseum Bocholt erstellte Ausstellung „Etikettenkult” wandert. Sie wird in veränderter und speziell auf Bielefeld zugeschnittener Form im Museum Wäschefabrik gezeigt.

 

Etiketten sind Kult: durch sie wird ein Kleidungsstück zum begehrten Objekt. Mit dem „Label” wird demonstriert, was man sich leisten kann, welcher Szene man angehört und was gerade angesagt ist. Außen aufgenäht, in auffälligen Farben und glänzendem Garn ist das heutige Etikett weit entfernt von seinen Anfängen.

Mit einem einfachen Namenzug begann es, dann wurden Symbole und Tiere hinzugefügt. Künstlerisch wurde es mit Landschaftsdarstellung und Menschen beim Sport und in der Freizeit. Markante Gebäude und Wappen unterstrichen die Bedeutung der Herstellerfirma.

Heute sind es in der Konfektion oft kurzlebige Phantasienamen, bei Designer und Haute Couture Ware überlebt das Etikett manchmal sogar das Kleidungsstück.

 

In Krefeld und in Wuppertal entstanden Jahrhunderte lang Etiketten für Firmen weltweit. Die Krefelder Firma Carl Neiss stellte bis 1995 Etiketten her, dann wurde sie ebenso wie die Wuppertaler Firma Saatweber und Sieper geschlossen. Große Teile der Archive beider Firmen gingen an das LWL-Industrie- und Textilmuseum Bocholt und an das Städt. Museum Burg Linn in Krefeld. Aus diesen Beständen und aus zahlreichen Leihgaben setzt sich die Ausstellung zusammen. In Bielefeld haben namhafte Unternehmen wie Delius und Seidensticker ihre Archive geöffnet, und so bietet der speziell ergänzte Ausstellungsteil Einblicke in Bielefelder Marken, Etiketten und Webkunst.

 

Zu Beginn wird der Herstellungsprozess eines Etiketts Schritt für Schritt erklärt. Vorlagenmappen und Schriftbücher verweisen auf die Inspirationsquellen der Dessinateure, Millimeterpapier auf die präzise Arbeit der Patronenzeichner und alte Jacquardkarten zeigen die akkurate und mühselige Umsetzung in Lochkarten. Dickleibige Musterbücher, umfangreiche Vertretermappen und gut gefüllte Versandkartons geben Einblick in die Produktionsvielfalt.

 

Dem Endprodukt Etikett wird ebenfalls eine Abteilung gewidmet: Kleider von bekannten Modeschöpfern wie Yves Saint-Laurent, Thierry Mugler, Detlef Albers und Uli Richter werden hier gezeigt. Daneben Krefelder „Spezialitäten”: Krawatten, hergestellt von diversen Krefelder Firmen, die ihre Etiketten stets bei Carl Neiss bestellten. Auch Uniformabzeichen für Bahnbeamte, Bundeswehrangehörige und ausländische Truppen, sowie Firmenabzeichen und Städtewappen gehörten zum Angebot der Firma. Besonders hervorgehoben werden die gewebten Seidenbilder, denn mit diesen Produkten glänzte die Firma auf Weltausstellungen und erhielt Medaillen.

Saatweber und Sieper hatten ein ähnliches Angebot mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Wäscheetiketten. Die Vielfalt ist nicht nur von den Farben her gesehen beeindruckend, auch kleine Symbole und Schriftzüge sind ausgesprochen künstlerisch gestaltet. Die bekannte Firma Bleyle bestellte ausschließlich bei Saatweber und Sieper.

 

Die Ausstellung wird ergänzt durch einen Videofilm über die Firma Neiss; ein Katalog mit Aufsätzen zur Firmengeschichte, zur historischen Entwicklung des Etiketts und zum heutigen Markenkult liegt vor.

 

Bilderstrecke

12.09.2010 – 16.01.2011

Ausstellung LuftwaffenbekleidungsamtDas Luftwaffenbekleidungsamt Bielefeld

Zwei Ausstellungen – ein Thema

– Produktions- und Logistikzentrum für die Luftwaffe
– Fotodokumentation des Baudenkmals, Frank Wellenbrink

Der seit 1994 als „steinernes Zeitzeugnis” denkmalgeschützte Gebäudekomplex von 1939/40 ist der einzige Neubau, überdies das einzige noch erhaltene von einstmals drei Luftwaffenbekleidungsämtern in Deutschland (Berlin, Sonneberg, Bielefeld). Heute sind in Teilen des Gebäudekomplexes Einrichtungen des Bundes, des Landes NRW und der Stadt Bielefeld untergebracht. Der Ostteil des Gebäudes stand jahrzehntelang leer und wird derzeit von einem privaten Investor saniert. Hier entsteht das Lenkwerk mit Showrooms für Liebhaberfahrzeuge, Magazinflächen und Räumlichkeiten für Veranstaltungen.

 

Produktions- und Logistikzentrum für die Luftwaffe

Zum einen Fabrik mit 45.000 m² reiner Nutzfläche ausgelegt für 1200 Mitarbeiter, mit riesigen Produktionssälen, weiträumigen Kellergeschossen und Garagen für Fahrzeuge; zum anderen Lager und „Logistikzentrum” mit eigenem Verwaltungstrakt für die Beschaffung von Rohmaterialien und Versand der fertigen Bekleidung auf Schiene und Straße. Anschlussgleise für die Zuführung und Abholung von Wagons führten direkt in die zentrale Verladehalle.
Viele Firmen aus dem Textilzentrum Bielefeld und Umland lieferten dem Bekleidungsamt zu, so auch die „Kriegsbetriebsgemeinschaft”, der die Wäschefabrik Gebr. Winkel (heute „Museum Wäschefabrik”) angehörte.
Die Ausstellung zeigt Geschichte und Funktion des Gebäudes in historischen Dokumenten, Bauplänen, Fotos und Zeitzeugenberichten und dokumentiert exemplarisch die kriegsbedingte Verflechtung der Textil- und Bekleidungsindustrie Bielefelds mit dem Luftwaffenbekleidungsamt.
Auch die Nachkriegsgeschichte des Gebäudes erzählt von Menschen und Gütern in Bewegung: Von 1945 bis 1992 wurde der Gebäudekomplex von der Britischen Rhein-Armee als eines ihrer wichtigsten Nachschublager genutzt.

 

Fotodokumentation des Baudenkmals (Frank Wellenbrink)

Über Monate hinweg dokumentierte der Bielefelder Fotograf Frank Wellenbrink die Räumlichkeiten und ihre Spuren der Vergangenheit, insbesondere den jahrzehntelang ungenutzten Ost- und Nordost-Flügel, der die einstige Funktion als Fabrik, Depot und Versandzentrum noch besonders gut erkennen ließ.
In seinen Fotografien stehen der Reiz des Verfalls, morbiden Charmes und der Spuren einer vergangenen Zeit im Vordergrund. Im Wesentlichen zeigen sie die Architektur und nicht mehr das Gebäude in seiner ursprünglichen Funktion, dennoch ist noch zu erahnen, zu welchem industriellen Zweck es einmal konzipiert war. Die Aufnahmen entstanden im Format 6 x 6 cm und dem Panoramaformat 5 x 12 cm ausschließlich mit analoger Technik.

 

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Westfalen-Blatt, Nr. 215, 15.9.2010

25.06.2010 – 29.08.2010

Spurensuche in BuchenwaldSpurensuche in Buchenwald

Ein Projekt der Leistungskurse Geschichte des Bodelschwingh-Gymnasiums Bethel 2010

Im März waren zwei Geschichts-Leistungskurse des Gymnasiums Bethel in Buchenwald eine Woche lang auf Spurensuche. Die Ergebnisse dieser Arbeit präsentiert die Gruppe ab dem 25. Juni im Museum Wäschefabrik.

 

Auf zwanzig Tafeln zeigen die SchülerInnen, was sie im ehemaligen Konzentrationslager erfahren haben. Die Gruppe war eine Woche auf dem Lagergelände unterwegs und hat in Archiv, Bibliothek, der Buchenwald-Austellung und durch Mitarbeiter Einblicke in die Geschichte des Lagers erhalten.

Das Konzentrationslager Buchenwald entstand 1937 auf Initiative der SS nördlich von Weimar auf der Nordseite des Ettersberges. Das Lager wurde Teil des NS-Verfolgungs- und Vernichtungssystems, politische Gegner des Regimes, aus „rassischen” Gründen Diskriminierte, Sinti und Roma, Homosexuelle, Wohnungslose wurden dort eingesperrt.

Nach Kriegsbeginn wurden Menschen aus ganz Europa nach Buchenwald verschleppt. In Buchenwald und seinen 136 Außenlagern wurden 250.000 Menschen inhaftiert und zur Rüstungsarbeit gezwungen. Darunter auch Kriegsgefangene aus der Sowjetunion, die zu Hunderten umgebracht wurden.

Jüdische Häftlinge hat man unter menschenverachtenden Umständen z. T. in Zelten eingezwängt. Zwangsarbeit sollte einerseits für die SS Profit erwirtschaften, andererseits sollte sie die Häftlinge durch Arbeit vernichten. Die Gesamtzahl der Toten beträgt etwa 56.000 Menschen.

Vor allem deutsche politische Häftlinge schufen eine illegale Widerstandsgruppe, die half, den Anderen die Lebensbedingungen zu erleichtern.

Nach der Befreiung durch die US-Armee im April 1945 wurden die Häftlinge entlassen und kehrten, wenn möglich, in ihre Heimatorte zurück.

Ab August 1945 begann eine neue Geschichte Buchenwalds. NS-Funktionäre aus der näheren Umgebung wurden in Buchenwald - jetzt „Speziallager 2” - eingeliefert. In der SBZ hatte die Entnazifizierung zwei Ziele: Beseitigung der NS-Funktionäre aus dem gesellschaftlichen Leben und später die Unterstützung der SED bei der „Sowjetisierung” der Sowjetischen Besatzungszone. Dieses „Speziallager” sollte bereits ab 1947 aufgelöst werden, viele Häftlinge hat man ab 1948 entlassen. Das Lager wurde im Februar 1950 aufgelöst, viele wurden in die Sowjetunion verschleppt. Beinahe 2500 Insassen wurden der DDR-Justiz übergeben, die sie in den berüchtigten „Waltheim-Prozessen” aburteilte, die übrigen wurden entlassen. Infolge der schlechten Lebensbedingungen starben im „Speziallager 2” nach offiziellen Angaben 7113 Menschen.

Die Ausstellung möchte Einblicke geben in das „Unbegreifliche” des historischen Orts Buchenwald und unseren Blick auf die Gedenkstätte zeigen.

24.04.2010 – 27.06.2010

NEBENSCHAUPLÄTZE - Einladung zur AusstellungseröffnungNEBENSCHAUPLÄTZE

Vom Scheitern der Empathie

Fotografien von Bettina Cohnen

Das Museum Wäschefabrik zeigt in seinen Räumen für Sonderausstellungen die erste Einzelpräsentation der Künstlerin Bettina Cohnen in ihrer Heimatstadt.

 

Bettina Cohnens Werk befragt das Verhältnis zwischen Abbild, Inszenierung und Identität. Oft unter Einbeziehung der eigenen Person, die als Protagonistin und Modell in den Arbeiten auftritt, entwirft sie fotografische Szenenfolgen und Serien, in denen der Prozess der Ich-Werdung als fragile Konstruktion zwischen Fremdbestimmung und Erfindung kenntlich wird.

 

So auch in der Fotoserie Nebenschauplätze, die die Künstlerin im Jahre 2006 in den Räumen der Wäschefabrik begonnen hat und die nun im Mittelpunkt der gleichnamigen Ausstellung steht. In den Bildsequenzen dieser Arbeit spielt die Künstlerin mit verschiedenen weiblichen Maskeraden und Frauenbildern. Die Fotografien, die oftmals auch kunsthistorische Referenzen zitieren, wirken wie Cut-Outs aus filmischen Narrationen. Bei diesen Inszenierungen schwingt dabei immer der Versuch mit, durch das empathische Begreifen Rollenbilder als konstruierte Identitätsbehauptungen zu entlarven.

 

Während eines einjährigen Stipendienaufenthalts in New York besuchte und fotografierte Bettina Cohnen deutschstämmige Amerikanerinnen in ihren Vereinen und Gemeinden. Die entstandene Fotoserie Reminiszenzen bildet einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung im Museum Wäschefabrik. Aufnahmen von deutschamerikanischen Vereinshäusern und Portraits Trachten tragender Deutschamerikaner bilden eine Typologie kultureller Klischees, die der Frage nachgeht, ob die Suche nach Identität in einer auf Zeichen reduzierten Kultur befriedigt werden kann.

 

Das Museum Wäschefabrik ist ein Ort, an dem (Bielefelder) Geschichte eingefroren zu sein scheint. Die Büroräume der Fabrik scheinen gerade verlassen, und betritt man den Nähsaal, meint man noch das Rattern der Nähmaschinen zu vernehmen. So findet man in dem Museum ideale Bedingungen vor, um Besuchern historische Arbeits- und Lebensrealitäten so authentisch wie möglich nahe zu bringen – und doch bleibt das Nachempfinden des Vergangenen immer begrenzt von unseren eingeschränkten empathischen Fähigkeiten.

 

Als ein musealer Hort der Geschichte, der trotz aller Widrigkeiten das von früheren Generationen Hinterlassene gegen alles Schnelllebige, auf das kurze ekstatisch erlebbare Spektakel Ausgerichtete vehement verteidigt, bildet das Museum Wäschefabrik die ideale Folie für eine Präsentation Bettina Cohnens fotografischer Arbeiten, die immer die Verhältnismäßigkeit zwischen offensichtlicher Inszenierung und vermeintlicher Authentizität auszuloten versuchen.

 

Bettina Cohnen, geboren 1973 in Bielefeld, studierte von 1996 – 2001 Bildende Kunst an der Fachhochschule Hannover und war dort bis 2002 Meisterschülerin bei Prof. Ulrich Eller. 2002 – 2003 studierte sie Fotografie am California Institute of the Arts in Los Angeles und erhielt 2008 das New York-Stipendium für Bildende Kunst vom Land Niedersachsen und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. 2009 ist ihr erster Einzelkatalog Reality Is Overrated im Bielefelder Kerber-Verlag erschienen.

16.04.2010 – 19.05.2010

Mutterstück»Mutterstück«

von Klaus Braun

Rauminstallation in der Galerie van Laak und Bérenger

Der für seine faszinierenden Rauminszenierungen bekannte Bielefelder Künstler Klaus Braun zeigt bei van Laak und Bérenger eine zweiteilige Rauminstallation mit dem Titel »Mutterstück«. Kern der Ausstellung ist ein monumentaler Kubus, gebildet aus den Hinterlassenschaften der Nähstube seiner Mutter: Möbel, Nähmaschinen, Nähutensilien, Kleidungsstücke und Wäsche aller Art, Stoffe, Stoffreste und vieles mehr. Die Ausstellung wird erweitert durch eine künstlerische Dokumentation, die das Prozesshafte der Spurensicherung sichtbar und nachvollziehbar macht.

 

Finissage: Sonntag, den 9. Mai um 11.30 Uhr

Bärbel Sunderbrink: »Als Mädchen mußte man ja nähen lernen…«. Eine kurze Geschichte eines typischen Bielefelder Frauenberufs. Anschließend besteht die Möglichkeit, das Museum Wäschefabrik zu besichtigen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Museum Wäschefabrik und der Galerie van Laak und Bérenger:

Viktoriastr. 48
33602 Bielefeld
fon +49 (0) 5 21 / 17 14 61

revalabe@t-online.de

 

van Laak und Bérenger

07.02.2010 – 18.04.2010

Jud Süß - Geschichte(n) einer Figur»Jud Süß« – Geschichte(n) einer Figur

Der württembergische Hoffaktor Joseph Süß Oppenheimer (1698/99-1738) ist eine der bedeutendsten und ambivalentesten Persönlichkeiten der deutsch-jüdischen Geschichte. Durch Veit Harlans Film Jud Süß (1940) wurde die Figur in starkem Maße antisemitisch geprägt und für die nationalsozialistische Propaganda instrumentalisiert. Diese Aufladung der Figur »Jud Süß« bestimmt auch aktuelle Auseinandersetzungen über öffentliche Aufführungen des Films. Die Ausstellung wirft jedoch einen erweiterten Blick auf die Figur und die mit ihr verbundenen Vorstellungen. Denn die Überlagerung von Fakten und Fiktion begann bereits zu Lebzeiten Joseph Süß Oppenheimers und wurde in einer Vielzahl von Darstellungen fortgeführt. Neben der Tradierung antisemitischer Stereotypen gab und gibt es immer auch den Versuch, die Rolle und das Handeln von »Jud Süß« mit einer positiven Lesart zu verbinden.

 

Aufgabe und Ziel der Ausstellung ist es, die Funktionsweise der Tradierung von Stereotypen am Beispiel Joseph Süß Oppenheimers aufzuzeigen. Ausgehend von der Lebensgeschichte Oppenheimers sollen die verschiedenen - antisemitischen aber auch positiven - Versuche der Aufladung der Figur entlang ihrer Rezeptionsgeschichte verfolgt und bis in die heutige Zeit hinein präsentiert werden. Absicht ist es, dem Besucher die Wirkungsmacht dieser antisemitischen Figur präsent und nachvollziehbar zu machen.

 

Die vielgestaltige Wirkungsgeschichte der Figur spiegelt sich in den vier Bereichen der Ausstellung wider:

 

1. Der historische Joseph Süß Oppenheimer

Schon zu Lebzeiten gab man Joseph Süß Oppenheimer den herabsetzenden Namen »Jud Süß«. Zeitgenössische Texte und Bilder zeigen eine einseitige und stereotype Darstellung, bei der die spektakuläre Hinrichtung am Galgen eine zentrale Rolle spielt. Die historische Person jedoch ist nahezu unbekannt. Der Ausstellungsteil nimmt beide Seiten näher in den Blick: Die historischen Fakten und die Formen der Stereotypisierung, die die Person Joseph Süß Oppenheimer schnell zu der Figur »Jud Süß« werden ließen.


2. Die literarisch-historische Auseinandersetzung um »Jud Süß« bis in die 1920er Jahre

Bereits vor Veit Harlans Film wird die Figur des »Jud Süß« zum Ausgangspunkt einer Vielzahl künstlerischer Darstellungen, die die Legende lebendig hielten. Auch die Geschichtswissenschaft setzt sich mit dem Leben Joseph Süß Oppenheimers auseinander. Der Ausstellungsteil widmet sich diesen verschiedenen Darstellungsweisen, um zu zeigen, inwiefern die Figur des »Jud Süß« dadurch an Vielschichtigkeit gewinnen konnte.


3. Der Film Jud Süß von Veit Harlan (1940)

Jud Süß gilt als Inbegriff des antisemitischen Propagandafilms; er reagiert auf den weitaus weniger bekannten Film Jew Suess (1934) von Lothar Mendes, der ein positives Bild Oppenheimers zeigen will. Jud Süß hat entscheidenden Anteil an dem Zerrbild, welches bis heute die kollektiven Vorstellungen von der Figur »Jud Süß« prägt. Diejenigen, die nach 1945 den Spuren eines ›anderen‹ Joseph Süß Oppenheimer nachgehen wollen, müssen sich daher mit dem Film auseinandersetzen.

Dieser Ausstellungsteil widmet sich der Entstehungsgeschichte, den beteiligten Akteuren, dem Inhalt und der Wirkung des Films. In Bielefeld wurde die Ausstellung um Dokumente zur Aufführung in Bielefeld erweitert. Auch wird das Verhältnis des in Bielefeld geborenen Schauspielers Albert Florath zum Nationalsozialismus näher beleuchtet. Florath spielt in Jud Süß den Obristen Röder.


4. »Jud Süß« — Konflikte und Deutungen nach 1945

Die Nachkriegsprozesse und Boykottaktionen gegen Veit Harlan machen die Relevanz des Films bei der Auseinandersetzung mit der Figur des »Jud Süß« nach 1945 deutlich. Dass der Film Jud Süß heute nur unter Auflagen gezeigt werden kann und ihn nur wenige kennen, trägt auch zu der Dämonisierung der Figur bei. Daneben existieren jedoch ebenso Versuche, »Jud Süß« zu einer positiven Identifikationsfigur werden zu lassen und der durch den Film geprägten Vorstellungswelt ein anderes Bild entgegenzusetzen. Der Ausstellungsteil zeigt beide Seiten: Die Versuche einer Normalisierung und die fortbestehende Skandalisierung, die die aktuellen Auseinandersetzung mit »Jud Süß« kennzeichnen.

 

 

Führungen: ab dem 21.02.2010 jeden Sonntag um 15 Uhr

 

Im Rahmen der Ausstellung zeigt das Museum Wäschefabrik zur Veranschaulichung der antisemitischen Zerrbilder Joseph Oppenheimers den nationalsozialistischen Propagandafilm Jud Süß von Veit Harlan (1940).
Rüdiger Uffmann und Dr. Dagmar Buchwald vom Museum Wäschefabrik geben eine Einführung in den Film und erläutern seine Rolle in der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie. Im Anschluss an den Film findet eine Führung durch die Ausstellung statt.

 

Die Filmvorführungen finden am 13., 14. und 15. April 2010, jeweils um 10:30 im Lichtwerk Filmtheater statt.
Unkostenbeitrag: 4,50 EUR
Voranmeldung im Museum Wäschefabrik erforderlich!

Konzeption und Umsetzung

Die Konzeption der Ausstellung wurde erarbeitet von:

Irene Aue (Jerusalem), M.A.
Miriam Hesse (Göttingen)
Inga Hoolmans (Göttingen), M.A.
Mona Kleine (Berlin), M.A.
Frauke Klinge (Göttingen), M.A.
Ariadne Sondermann (Göttingen), M.A.


Grafische Konzeption:
Wolfgang Hoellerl

15.2.2009 – 26.4.2009

Wohnen im WandelWohnen im Wandel

Vom Siedeln zum sozialen Wohnungsbau

Architekturbeispiele in Bielefeld
von 1925 – 1955

Eine Kooperation der Universität Bielefeld, Schule für Historische Forschung, und dem Museum Wäschefabrik.


Wohnformen unterliegen als Reaktion auf politische und sozialgeschichtliche Zusammenhänge einem ständigen Wandel. 1925 bis 1955 wirken die Folgen des Ersten Weltkriegs, die Neuausrichtung unter der nationalsozialistischen Diktatur und die Konsequenzen der Aggressionspolitik auf die Wohnwünsche und -möglichkeiten ein. Verschiedene Bautypen und -formen entwickeln sich neu oder weiter. Von den Heimstätten und Kleinsiedlungen über Volkswohnungen, Kriegseinheitstypen und Wohnlauben zu Bunkerwohnungen, Sozialem Wohnungsbau und schließlich einem ganz neuen Stadtteil – alle Bauten zeigen die Auswirkungen der großen Politik im Kleinen. In der Ausstellung, die von Studierenden der Uni Bielefeld erarbeitet wurde, dokumentieren Bielefelder Beispiele exemplarisch diese Entwicklung.



Westen
Osten
Sennestadt

Zur Ausstellung sind außerdem drei Faltblätter mit Spaziergängen zur Wohnarchitektur in Bielefeld entstanden, die im Museum Wäschefabrik erhältlich sind.

10.07.2007 – 04.11.2007

Wohnen im WandelWohnen im Wandel

Architekturbeispiele aus Bielefeld
von 1850 bis in die 1920er Jahre

Eine Ausstellung der Universität Bielefeld, Schule für Historische Forschung unter Leitung von Dr. Claudia Turtenwald in Kooperation mit dem Förderverein Projekt Wäschefabrik e.V.

 

Die Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts bewirkt auch in Bielefeld enorme Veränderungen. Handwerker werden zu Industriedirektoren, Arbeiter strömen in großer Zahl in die Stadt. Bürgerliche Lebensformen treffen mit den Lebensbedingungen und dem Verhalten von Arbeitern in den wachsenden Städten aufeinander. Das (architektonische) Gesicht Bielefelds wandelt sich.
Die Ausstellung geht diesem Phänomen nach, indem sie Ergebnisse eines zweisemestrigen Projektseminars der Universität Bielefeld, Schule für Historische Forschung, darstellt. Gegenstand des Seminars war die Wohnarchitektur verschiedener Gesellschaftsschichten von 1850 bis in die 60er Jahre. Hieraus ergab sich die Ausstellungskonzeption, die in einem ersten Teil die Wohnarchitektur von ca. 1850 bis in die 1920er Jahre in den Mittelpunkt stellt. Die Architektur dient dabei als Schlüssel zur Wahrnehmung historischer und sozialgeschichtlicher Zusammenhänge. Faktoren wie gesellschaftlich vermittelte Lebensformen, soziale Stellung, Familienstruktur und ökonomische Verhältnisse der Bewohner werden widergespiegelt. Von der prächtigen Fabrikantenvilla bis zum Kleinsthaus des „Vereins Arbeiterheim” reicht das Spektrum. Typisches und Traditionelleres steht neben innovativen Impulsen vom Klassizismus bis zum Neuen Bauen.
Es werden u.a. gezeigt: Villa Kaselowsky (heute Stiftung Hülsmann), Villa Crüwell, Crüwellstr., Villa Lepper, Detmolder Str., Haus Delius, Dornberger Straße, Beamtenwohnhäuser, Bosse Str./Roland Straße, „Meißener Kachelhaus”, Hagenbruchstraße, Dokumente zum Schlafgängerwesen, Arbeiterhäuser, Kost- und Logierhaus, Webereistr., „Verein Arbeiterheim”, Glasmacherhäuser, Siedlungen der Freien Scholle, ein Film zur Freien Scholle.

20.04.2007 – 24.06.2007

Parkhausblick auf Bielefeld PlakatParkhausblick auf Bielefeld

Schwarzweiß-Fotographien von Frank Wellenbrink

»Parkhausblick auf Bielefeld« ist ein Stadtportrait, das den Blick von den Parkhäusern der Bielefelder Innenstadt zeigt. Die Ansicht auf die Stadt wird durch die Standorte der Parkhäuser und den Blick von den obersten Parkdecks bestimmt. Diese Zweckgebäude geben der Stadt nicht unbedingt ein schönes Gesicht, aber sie prägen das Bielefelder Stadtbild mit. Im Fokus des fotografischen Interesses standen jedoch nicht die Parkhäuser selbst, sondern deren Standorte und die daraus resultierenden Stadtansichten. Straßenschluchten, Plätze, exponierte Gebäude und auch Menschen, die durch die große Entfernung anonym bleiben, sind von dort zu sehen. Die exponierten Gebäude wie das Telekomgebäude, Altstädter und Neustädter Kirche, Ostmannturm, sowie die Sparrenburg, die bei den Ausblicken immer wieder zu sehen sind, schaffen eine Verbindung zwischen den jeweiligen Parkhäusern.

Die Fotografien entstanden in dem Zeitraum von 2004-2006. Die Bilder wurden im Format 6 x 6 cm und ausschließlich analoger Technik aufgenommen. Das quadratische Format und die Schwarz-Weiß-Technik geben den Aufnahmen die angestrebte Anmutung. Durch den Verzicht auf die Farbe werden die Fotografien auf formale und perspektivische Aspekte reduziert. Das quadratische Bildformat ist neutral und erzeugt zunächst keine Spannung. Nicht durch das Format, sondern durch den Inhalt, Perspektive und Flächengestaltung wird die Bildwirkung erzeugt.

Die Ausstellung bietet so einen neuen und anderen Blick auf Bielefeld.


Parkhausblick auf Bielefeld

05.06.2005 – 20.11.2005

Eigener Herd ist Goldes wert EinladungEigener Herd ist Goldes wert

Spruchtücher aus der Sammlung von Willemina Krüger-Nijenhuis

Bestickte Leinen- und Baumwolltücher erlebten ihre Blütezeit von 1870 bis 1930. Die Wand- und Überhangtücher, Decken und Taschen sollten Möbel, Wände und Wäsche schützen und schonen. Sie fanden sich in fast jedem groß- oder kleinbürgerlichen Haushalt. In Küche, Wohnzimmer und Schlafräumen fanden sich die Tücher mit ihren aufgestickten sinnigen, teilweise religiösen und oft auch belehrenden Sprüchen.

In der Nachkriegszeit gerieten die Spruchtücher in Vergessenheit. Erst in den letzten Jahrzehnten tauchten sie auf Flohmärkten und bei Haushaltsauflösungen wieder auf. Die im Museum Wäschefabrik ausgestellte Sammlung trug Frau Willemina Krüger-Nijenhuis aus Lemgo in den 1970er und 1980er Jahren zusammen. Viele Tücher erwarb sie selbst, andere wurden ihr von Freunden geschenkt. Sie stammen aus Haushalten aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die Tücher wurden von jungen Mädchen für ihre Aussteuer angefertigt. Sie geben so einen Einblick in das Denken und die Wertvorstellungen dieser Zeit. Die Mädchen lernten das Sticken bei ihren Müttern. Für kleine Mädchen gab es Bilderbögen, die mit Nadeln ausgestochen und dann mit Wolle bestickt oder ausgenäht wurden. Beschäftigungsbücher für Mädchen enthielten Muster für kleine Geschenke wie Servietten und Spruchbänder. In den Schulen mussten die Mädchen häufig Stickmustertücher anfertigen. Neben den Buchstaben übten sie Zahlen und Tiere, Blumen und Ornamente. Die Tücher dienten später als Mustervorlagen für die Anfertigung der eigenen Spruchtücher.

01.05.2004 – 27.03.2005

Düppen und DamastDüppen und Damast

Sie gehörten zur Arbeitswelt in der Wäschefabrik: „Düppen und Damast”. In „Henkelmännern” (plattdeutsch heißen diese Essensträger „Düppen”) brachten sich die Näherinnen ihr zu Hause gekochtes Essen mit, das mittags im Aufwärmbecken erhitzt wurde. Feine Damasttischdecken waren fester Bestandteil der Aussteuerpakete, die an Kunden verkauft wurden.
Das gemeinsame Aktionsjahr „Mahlzeit! Kultur des Essens und Genießens”, initiiert von der Museumsinitiative in OWL e.V., gab den Ausschlag, diese Themen näher zu beleuchten.
Im original erhaltenen Pausenkeller dreht sich alles um die Fabrikmahlzeit mit dem „Henkelmann”. Der Essensträger kam mit der Industrialisierung in den 1870er Jahren in Gebrauch und blieb bis in die 1950er Jahre ein steter Begleiter der Werktätigen. Welche Speisen befanden sich in den „Düppen”, und wie wandelte sich die Ernährung in Laufe der Industrialisierung?
Im zweiten Obergeschoss kommen besonders glanzvolle Exponate zur Geltung. In Bielefeld wurden seit dem 19. Jahrhundert Damasttischtücher und Mundtücher oftmals mit Wappeneinwebungen für höchste Ansprüche gewebt. Folgende Firmen präsentieren die schönsten Stücke aus ihrer Firmengeschichte: A.W. Kisker, Gebrüder Kobusch, Nordmeyer & Kortmann, Strunkmann & Meister und Weberei Weddigen (Herford). Vorwiegend bunte Tischwäsche aus dem Bestand der Wäschefabrik rundet die Schau ab.

14.09.2003 – 31.10.2004

Phoenix PlakatWie ein Phoenix aus der Asche

Nähmaschinen der Firma Baer & Rempel, Bielefeld

Im Jahr 1879 zerstörte ein Großfeuer die gesamten Produktionsräume der Nähmaschinenfabrik Baer & Rempel in Bielefeld. Das in der Nähe des Bahnhofs gelegene Unternehmen ließ sich von diesem Unglück jedoch nicht entmutigen und wagte den Neuanfang. Baer & Rempel nannte seine Nähmaschinen fortan „Phoenix” – in Anspielung auf den Brand und den schnellen Wiederaufbau. Die Firma konzentrierte sich auf die Weiterentwicklung der Nähmaschinentechnik und erarbeitete sich damit in der Branche und bei den Kunden einen ausgezeichneten Ruf.

Die Ausstellung im Museum Wäschefabrik erzählt die wechselvolle Firmengeschichte Baer & Rempels von 1865 bis 1967 anhand der wichtigsten Nähmaschinenmodelle. Ergänzend zu den Maschinen sind Werbeplakate, Fotos, Kataloge und Baupläne zu sehen.

20.04.2002 – 29.09.2002

Wirtschaftswunderwäsche PlakatWirtschaftswunderwäsche

… der „Wäschefabrik Gebr. Winkel” 1950-70

Nicht nur in Perlonstrümpfen und Petticoats zeigt sich der „Traum vom guten Leben” der Wirtschaftswunderjahre, auch die Erzeugnisse einer Bielefelder Wäschefabrik geben den Zeitgeist der frühen Bundesrepublik authentisch wieder.
Von der klassischen leinenen Aussteuerware zu bunt bedruckter Bettwäsche und schrill gemusterten Nachthemden, vom klassischen Herrenhemd zu „Perlon Porös”, vom Hochzeitsnachthemd aus Fallschirmseide aus der Notzeit der Nachkriegsjahre zur feinen Damenwäsche zeigt das Museum Wäschefabrik Produkte der Wäschefabrik Winkel von 1950 bis zu den siebziger Jahren. Auch Werbefotos und Musterbücher lassen die Besucher die Konsumwelt dieser Zeit erleben.

03.02.2002 – 24.03.2002

Eine Fabrik im Krieg

Wie gelingt es Eigentümern und Beschäftigten während des Zweiten Weltkriegs, die Produktion in einer Bielefelder Wäschefabrik mit etwa 35 Näherinnen und Angestellten bis Ende 1944 aufrecht zu erhalten? Wie kommt es, dass sie die alltäglichen Geschäftsvorfälle und großen Schwierigkeiten in mehreren hundert Briefen festhalten? Weshalb ist in dem alten Briefkopf der Name der Firma „Juhl & Helmke” durchgestrichen und mit „Th. u. G. Winkel” übertippt?

Antworten auf diese Fragen finden sich in einer Akte mit dem Schriftwechsel zwischen den leitenden Angestellten der Wäschefabrik in Bielefeld und den Eigentümern in Dresden, die das Museum Wäschefabrik besitzt. Eine Auswahl dieser Briefe und Dokumente stellt das Museum ab 3. Februar 2002 aus. Sie sind ein einmaliges Zeugnis für die Arbeitsbedingungen einer Fabrik im Krieg, die keine Rüstungsgüter herstellte.

Zur Ausstellungseröffnung bietet das Museum eine Führung mit Erläuterungen zur Ausstellung an. Dazu gehört auch ein Rundgang durch die Wäschefabrik zu üblicherweise nicht zugänglichen Gebäudeteilen, in denen Luftschutzmaßnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg noch erkennbar sind.

Für die Wäschefabrik der Brüder Theodor und Georg Winkel kam neben der Gefahr, dass die Wirtschaftsverwaltung dem Unternehmen Stoffzuteilungen versagte und die Arbeitskräfte in die Rüstungsindustrie abzog, neben der Bedrohung durch Bombenangriffe, eine besondere Schwierigkeit hinzu: Die Eigentümer lebten nicht vor Ort, sondern in Dresden.

Die Brüder Winkel hatten das Unternehmen 1938 von dem jüdischen Kaufmann Hugo Juhl, bis dahin Alleininhaber der Wäschefabrik, erworben. Hugo Juhl sah angesichts des Drucks der Nationalsozialisten seit 1937 keine Möglichkeit mehr, die Fabrik weiterzuführen und suchte Käufer, die er in den Verlegern Theodor und Georg Winkel fand.

Die Brüder Winkel verlegten in Dresden ein katholisches Wochenblatt und waren in Konflikt mit der Pressezensur geraten. Die dazu gehörige Druckerei führten sie jedoch bis Anfang 1945 weiter. Der Prokurist Georg Specht übernahm für sie die Cheffunktion in Bielefeld.


Die Ausstellung „Eine Fabrik im Krieg” ist Teil des Rahmenprogramms zur Wehrmachtsausstellung in Bielefeld und ist bis zum 24. März im Museum Wäschefabrik zu sehen.

01.05.2000 – 29.10.2000

„Als Mädchen mußte man ja nähen lernen …”

Die Arbeit in der Bielefelder Wäscheindustrie

Sonderausstellung der VHS-Geschichtswerkstatt in Kooperation mit dem Stadtarchiv Bielefeld

Viele junge Mädchen gingen nach der Schulentlassung in eine der Bielefelder Wäschefabriken, um eine Ausbildung als Näherin zu absolvieren. In den Fabriken, die das Wirtschaftsleben der Stadt prägten, waren außerdem Zuschneiderinnen, Stickerinnen und Plätterinnen tätig. Auch als Heimarbeiterinnen verdienten viele Frauen an der Nähmaschine ein Zubrot für die Familie.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts galten die Konfektionsbetriebe nicht als Fabriken. Dadurch unterlagen die Frauen auch nicht den Schutzgesetzen für Arbeiterinnen. Es gab für sie also keine Arbeitszeitbegrenzung, keinen Mutterschutz, keinen Anspruch auf Sozialräume. Auch unterlagen sie nicht den Mindestanforderungen für soziale Anlagen. Die räumliche Ausstattung war überhaupt lange ein Zeichen der Trennung. Angestellte durften durch die Vordertür gehen, die Arbeiterinnen mussten den Hintereingang benutzen. Dies war so selbstverständlich wie die geringeren Löhne für die Frauen. Auch die Gewerkschaftsmänner hatten lange Zeit kein Interesse, sich für eine Verbesserung der geringen Bezahlung von Frauen einzusetzen.

Doch ohne die Frauen wäre Bielefeld nie zur Stadt der Wäscheindustrie geworden, hätte der Begriff „Bielefelder Wäsche” nie Weltruhm erreicht. Die Ausstellung „Als Mädchen musste man ja nähen lernen …” im Museum Wäschefabrik ist eine erster Schritt, an das Leben und die Arbeit dieser Frauen zu erinnern.

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